Gründerporträt · Gründerinnen

Annika von Mutius: Aus zwei Promotionen ein Startup, zwei Zukäufe und dann der Verkauf an Factorial

Empion entstand aus den Promotionen seiner beiden Gründerinnen. Im Herbst 2024 kaufte das Berliner Startup den Wettbewerber Zalvus, am 2. September 2026 gab Factorial die Übernahme von Empion bekannt. Annika von Mutius wechselt in die deutsche Führung des Käufers.

Von Sophie Achterberg3 Min. Lesezeit

Annika von Mutius: Aus zwei Promotionen ein Startup, zwei Zukäufe und dann der Verkauf an Factorial
Symbolbild: Founders World (KI-generiert)

Entscheidend war für mich zunächst der kulturelle Fit zwischen beiden Unternehmen sowie die Übereinstimmung der Ambitionen.

Annika von Mutius, Mitgründerin und CEO, Empion · own_statement: Interview deutsche-startups.de, 07.09.2026, https://www.deutsche-startups.de/2026/09/07/der-erste-kontakt-entstand-ueber-gemeinsame-freunde/

Am 2. September 2026 gab Factorial bekannt, dass es Empion übernimmt. Der Käufer aus Barcelona baut Software für Personalabteilungen, Empion bewertet Bewerberinnen und Bewerber mit KI nach Fähigkeiten, Motivation und kulturellem Fit. Den Kaufpreis haben beide Seiten nicht genannt. Annika von Mutius, Mitgründerin und CEO, wechselt laut Factorial in die Führung des Unternehmens in Deutschland und soll dort die Assessments für Kandidaten und Beschäftigte weiterentwickeln.

Vier Jahre vorher war Empion ein Forschungsprojekt. „Aus einem Forschungstransfer der Promotionen wurde Empion 2022 gegründet“, schreibt das Unternehmen über sich. Die Promotionen waren die von Annika von Mutius und Larissa Leitner, die Empion gemeinsam gegründet haben.

Steckbrief

  • Person: Annika von Mutius, Mitgründerin und CEO der Empion GmbH; promovierte Mathematikerin, laut Factorial Vorstandsmitglied im KI-Bundesverband (Quelle: Empion, Über uns; Factorial, Mitteilung vom 02.09.2026)
  • Gründung: 2022 in Berlin mit Larissa Leitner; Factorial und Personalwirtschaft nennen 2021 (Quelle: Empion, Über uns, abgerufen 23.09.2026)
  • Register: Amtsgericht Charlottenburg, HRB 233294 B (Quelle: Empion, Impressum, abgerufen 23.09.2026)
  • Stationen: Übernahme von Zalvus 2024, Verkauf an Factorial 2026 (Quelle: Pressemitteilung Empion vom 03.09.2024; Factorial, 02.09.2026)
  • Zahlen: über 500 Kunden, über 90.000 übermittelte Kandidaten (Quelle: Empion, Über uns, Stand September 2026)
  • Umsatz, Beschäftigte, Kaufpreis: nicht genannt

Die Gründung aus der Wissenschaft

Am Anfang stand ein EXIST-Gründungsstipendium. Das beschreibt das Magazin der WHU in einem Beitrag vom 4. September 2026; sein Autor Max Eckel hat den Antrag nach eigener Darstellung damals an der RWTH Aachen mit den Gründerinnen erarbeitet. Das Produkt: ein System, das Kandidaten und Unternehmen nach Werten, Fähigkeiten und Persönlichkeit zusammenbringt, statt Stichworte in Lebensläufen abzugleichen.

Die erste Runde nach der Pre-Seed-Finanzierung schloss Empion im Oktober 2023. Laut Personalwirtschaft waren es sechs Millionen Euro, angeführt von Cavalry Ventures, mit VR Ventures und Redstone VC; ein Jahr davor seien 2,4 Millionen Euro Pre-Seed gekommen. Der Einsatz von KI im Recruiting stehe noch ganz am Anfang, sagte von Mutius damals dem Fachmagazin.

Zukäufe im Abschwung

Im September 2024 meldete Empion die Übernahme von Zalvus, einem Berliner Recruiting-Dienstleister, gegründet 2015, mit rund 600 Kunden. Die Marke Zalvus blieb bestehen. Später kam TalkToTalents dazu, ein auf den Einzelhandel spezialisierter Vermittler; beide Firmen führt Empion heute als Teil der Empion-Gruppe. Die eigene Begründung steht auf der Unternehmensseite: Während Abschwünge gewöhnlich zu Zurückhaltung verleiteten, nutze Empion die Rezession gezielt, um Marktanteile und Branchenwissen zu sichern.

Der Verkauf

Wie es zum Verkauf kam, hat von Mutius im Gespräch mit deutsche-startups.de vom 7. September erzählt. Der erste Kontakt sei über gemeinsame Freunde entstanden. „Entscheidend war für mich zunächst der kulturelle Fit zwischen beiden Unternehmen sowie die Übereinstimmung der Ambitionen.“ Für bestehende Kunden ändere sich nichts, Verträge blieben unberührt.

Factorial nennt als Kunden von Empion unter anderem die Deutsche Telekom, Procter & Gamble, Siemens Mobility und Raiffeisenbanken. Das Impressum der Empion GmbH führt inzwischen drei Geschäftsführer: Annika von Mutius sowie Jordi Romero und Bernat Farrero von Factorial.

Einordnung

Zwischen Gründung und Verkauf lagen bei Empion rund vier Jahre und zwei Zukäufe. Belegt ist vor allem diese Reihenfolge. Warum die Gründerinnen verkauft haben, statt weiteres Kapital aufzunehmen, sagt von Mutius nur so weit, wie es im Zitat oben steht. Für Gründerinnen aus der Forschung zeigt der Fall eine Variante des Exits, in der die Gründerin mit ihrem Thema zum Käufer wechselt.

Quellen

  • Empion: Über Empion und Impressum (Amtsgericht Charlottenburg, HRB 233294 B), abgerufen am 23. September 2026. Tier 2.
  • Factorial: Mitteilung zur Übernahme von Empion, 2. September 2026; deutschsprachige Pressemitteilung vom 3. September 2026. Tier 2.
  • Empion: Pressemitteilung zur Übernahme von Zalvus, 3. September 2024. Tier 2.
  • WHU Magazin: Beitrag zu Empion und EXIST, 4. September 2026. Tier 2.
  • deutsche-startups.de: Interview mit Annika von Mutius, 7. September 2026 (attribuiert). Tier 4.
  • Personalwirtschaft: Bericht zur Seed-Runde, 25. Oktober 2023 (attribuiert). Tier 4.