Reportage · Fehler & Lehren

Was ich anders machen würde: Isar Aerospace und der abgebrochene erste Testflug

Am 30. März 2025 endete der erste Testflug der Spectrum-Rakete nach rund 30 Sekunden. Isar Aerospace hat die Ursachen selbst veröffentlicht. Am 5. September 2026 erreichte der zweite Flug den Orbit. Das Protokoll beruht auf den eigenen Aussagen des Unternehmens und seines CEO Daniel Metzler.

Von Mareike Sandvoss2 Min. LesezeitGrundlage: eigene öffentliche Aussage (Post-mortem, 16.09.2025)

Was ich anders machen würde: Isar Aerospace und der abgebrochene erste Testflug
Symbolbild: Founders World (KI-generiert)

Rapid iteration is how you win in this domain.

Daniel Metzler, CEO und Mitgründer, Isar Aerospace · Grundlage: eigene öffentliche Aussage (Post-mortem, 16.09.2025)

Grundlage: eigene Aussagen von Isar Aerospace und CEO Daniel Metzler, vor allem das vom Unternehmen veröffentlichte Untersuchungsergebnis zum ersten Testflug (Update vom 16. September 2025). Kein freigegebenes Gespräch.

Isar Aerospace ist 2018 gegründet worden, Daniel Metzler ist Mitgründer und CEO. Das Startup aus dem Umfeld der TU München baut die Trägerrakete Spectrum. Dieses Protokoll handelt von einem Fehler, den das Unternehmen selbst aufgeschrieben hat.

Der Fehler

Am 30. März 2025 um 12:30 Uhr hob die erste Spectrum vom Startplatz Andøya in Norwegen ab. Nach rund 30 Sekunden erhielt die Rakete den Befehl zum Flugabbruch und fiel ohne Antrieb ins Meer. So steht es im Newsroom des Unternehmens.

Die Ursache hat Isar Aerospace nach einer Untersuchung benannt, die innerhalb von zwei Monaten abgeschlossen war. Auslöser waren demnach ein ungewolltes Öffnen des Entlüftungsventils und der Verlust der Lageregelung zu Beginn des Rollmanövers.

Was es gekostet hat

Eine Summe nennt Isar Aerospace nicht, und wir schätzen keine. Belegt ist die Zeit. Zwischen dem ersten Flug am 30. März 2025 und dem zweiten am 5. September 2026 lagen gut 17 Monate. Im Dezember 2025 meldete das Unternehmen, beide Stufen hätten ihre Brennversuche bestanden, und nannte am 16. Januar 2026 den 21. Januar als frühestmöglichen Starttermin. Gestartet wurde im September. Warum es acht Monate später wurde, erklären die ausgewerteten Mitteilungen nicht.

Was heute anders ist

Nach eigenen Angaben hat Isar Aerospace die Steuerbarkeit der Spectrum robuster gemacht, die Software überarbeitet und zusätzliche Reserven für Umweltbedingungen eingeplant. Metzler schrieb im Dezember 2025, weniger als neun Monate nach dem ersten Flug stehe die Rakete wieder bereit, und fügte hinzu: „Rapid iteration is how you win in this domain.“ Schnelles Wiederholen gewinne in diesem Geschäft, heißt das übersetzt.

Am 5. September 2026 um 22:12 Uhr startete die zweite Spectrum, wieder von Andøya. Sie erreichte den Orbit und setzte alle Kundennutzlasten aus: fünf CubeSats von der TU Berlin, der Universität Maribor, EnduroSat, der NTNU und dem Space Team der TU Wien sowie ein Technologie-Experiment von Dcubed. Die Nutzlasten stammen aus dem Microlauncher-Wettbewerb der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR. Isar Aerospace nennt sich damit das erste kommerzielle Raumfahrtunternehmen aus Europa, das Satelliten in den Orbit gebracht hat. Die Fahrzeuge drei bis sieben sind laut Mitteilung in Produktion.

Ob die Reihenfolge aus Abbruch, veröffentlichter Ursache und zweitem Anlauf eine Lehre für andere Hardware-Gründer ist, sagt das Unternehmen nicht. Wir sagen es auch nicht. Belegt ist, dass die Ursache öffentlich benannt wurde, bevor der zweite Flug stattfand.

Quellen

  • Isar Aerospace: Newsroom zum ersten Testflug, mit Untersuchungsergebnis vom 16. September 2025. Tier 2.
  • Isar Aerospace: Mitteilung vom 22. Dezember 2025 zu den Brennversuchen; Mitteilung vom 16. Januar 2026 zum frühesten Starttermin. Tier 2.
  • Isar Aerospace: Mitteilung vom 5. September 2026 zum zweiten Flug. Tier 2.
  • UnternehmerTUM: Beitrag vom 14. September 2026 (Gründung 2018 als TUM-Ausgründung). Tier 2.