Stephan Herrmann und Reverion: Eine Idee aus der Promotion, sieben Jahre bis zur Ausgründung
2015 skizzierte Stephan Herrmann in seiner Promotion an der TU München ein Kraftwerk, das Strom erzeugen und speichern kann. 2022 wurde daraus die Reverion GmbH in Eresing. Seit dem 16. September 2026 ist das Team für den Deutschen Zukunftspreis nominiert.

Wir bauen die effizientesten Kraftwerke der Welt.
Stephan Herrmann, CEO, Reverion · own_statement: Deutscher Zukunftspreis, Fragen an die Nominierten, 16.09.2026, https://www.deutscher-zukunftspreis.de/de/team-1-2026
Die Entscheidung, die dieses Startup erklärt, liegt vor seiner Gründung. 2015 hatte Stephan Herrmann, damals Doktorand am Lehrstuhl für Energiesysteme der TU München, die ersten Ideen für ein Kraftwerk, das in beide Richtungen arbeitet: Es macht aus Gas Strom und aus überschüssigem Strom wieder Gas. „Ich hatte 2015 die ersten Ideen dafür und habe sie mit Hartmut diskutiert und über die Zeit weiterentwickelt“, sagte er auf der Seite des Deutschen Zukunftspreises. Hartmut ist Hartmut Spliethoff, sein Doktorvater. Die Reverion GmbH wurde erst 2022 gegründet, sieben Jahre später.
Seit dem 16. September 2026 stehen Doktorand und Doktorvater von damals gemeinsam auf einer Liste. Herrmann, Mitgründer Felix Fischer und Spliethoff sind eines von drei Teams, die für den Deutschen Zukunftspreis nominiert sind, den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Die Jury entscheidet am 18. November in Berlin.
Steckbrief
- Person: Stephan Herrmann, Mitgründer und CEO der Reverion GmbH, vertretungsberechtigt laut Impressum (Quelle: Reverion, Impressum, abgerufen 23.09.2026)
- Gründung: 2022 als Ausgründung der TU München, Sitz Eresing, Registergericht München, HRB 274991 (Quelle: Reverion, Impressum; Deutscher Zukunftspreis, Team 1, 16.09.2026)
- Mitgründer: Felix Fischer, Chief Operating Officer und Geschäftsführer (Quelle: Reverion, Mitteilung vom 29.05.2026)
- Stationen: SPRIND-Challenge 2023, Series A 2024, EU-Innovationsfonds 2025, erster CFO 2026 (Quelle: Reverion-Mitteilungen vom 28.12.2023, 13.09.2024, 05.03.2025, 05.03.2026)
- Zahlen: rund 220 Mitarbeitende, sieben Anlagen im Feldeinsatz (Quelle: Reverion, Mitteilung vom 16.09.2026)
- Umsatz: nicht genannt
Das Patent kam vor dem Wirkungsgrad
Am Anfang stand nicht die Effizienz. Das erste Patent galt einer reversiblen Anlage mit noch kleinerem Wirkungsgrad, erklärte Herrmann in den Fragen an die Nominierten; die Steigerung des Wirkungsgrads sei der zweite Schritt gewesen. Die Anlage arbeitet mit keramischen Hochtemperatur-Brennstoffzellen. Sie wandelt Biogas, Erdgas oder Wasserstoff in Strom um und erzeugt bei Stromüberschuss Wasserstoff oder synthetisches Methan, das ins Gasnetz gehen kann.
Felix Fischer beschreibt das Umfeld am Lehrstuhl als Ort, an dem jeder an der eigenen Doktorarbeit saß. Simulationsgruppen und Leute, die Prototypen bauten, arbeiteten nebeneinander. Herrmanns Leistung sei gewesen, diese Bausteine zusammenzubringen, sagte Fischer.
Förderung und Wagniskapital nebeneinander
Im Dezember 2023 kam das Team in die zweite Phase der SPRIND-Challenge „Long-Duration Energy Storage“, als einer von vier Finalisten, mit drei Millionen Euro für diese Phase. Den Beitrag dazu schrieb Felix Fischer als Mitgründer und COO. Investoren waren zu diesem Zeitpunkt schon beteiligt; wann und mit welchen Summen sie eingestiegen sind, hat Reverion in den hier ausgewerteten Mitteilungen nicht genannt.
Die Series A folgte am 13. September 2024: 62 Millionen US-Dollar, eine Mischung aus Investorengeld und öffentlichen Fördermitteln, angeführt von Energy Impact Partners, mit Honda und dem EIC Fund. Die bestehenden Investoren Extantia Capital, UVC Partners, Green Generation Fund, Doral Energy-Tech Ventures und Possible Ventures zogen mit. Reverion nannte dazu Vorbestellungen von mehr als 100 Millionen US-Dollar, überwiegend von Landwirten mit Biogasanlagen und von Industriekunden. Im März 2025 kam die Förderzusage des Europäischen Innovationsfonds über 19,5 Millionen Euro hinzu, gebunden an den Ausbau der Produktion in Eresing.
Vom Prototyp zur Serie
Im März 2026 berief Reverion mit Andreas Aepli den ersten Finanzvorstand, damals mit rund 200 Mitarbeitenden. Herrmann sagte zu diesem Anlass, die erste Generation der Kraftwerke laufe seit über neun Monaten an mehreren Standorten im kommerziellen Regelbetrieb. Im Mai meldete das Unternehmen 74,2 Prozent elektrischen Wirkungsgrad einer Vorserienanlage und begann die Suche nach einem zweiten Standort für die Serienfertigung. Dort könnten nach Unternehmensangaben perspektivisch bis zu 800 Arbeitsplätze entstehen; der Firmensitz bleibt in Eresing.
Fischer beschrieb im Interview mit deutsche-startups.de vom 11. August, was das Team früh anders gemacht habe: „Wir haben früh auf echte Kundennähe gesetzt statt auf reine Technologieentwicklung im Labor.“ Nach der Nominierung nennt Reverion rund 220 Mitarbeitende und sieben Anlagen im Feldeinsatz. Laut der Seite des Zukunftspreises läuft neben der 100-Kilowatt-Variante bereits ein 500-Kilowatt-System; als Nächstes soll eine Anlage mit zwei Megawatt folgen.
Einordnung
Zwischen Idee und Handelsregister lagen bei Reverion sieben Jahre an einem Lehrstuhl. Danach lief öffentliches Geld neben dem Wagniskapital her: SPRIND, der EIC Fund in der Series A, der Innovationsfonds der EU. Für Gründer aus der Forschung heißt das vor allem, dass ein Hardware-Vorhaben lange vor der Gründung reifen kann und dass Förderprogramme und Investoren hier gleichzeitig zahlten. Ob das bei einem Startup ohne Lehrstuhl im Rücken genauso getragen hätte, lässt sich aus den Unterlagen nicht ablesen.
Quellen
- Reverion: Impressum, Registergericht München, HRB 274991, abgerufen am 23. September 2026. Tier 2.
- Reverion: Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis 2026, Mitteilung vom 16. September 2026. Tier 2.
- Deutscher Zukunftspreis: Team 1 2026, Projektbeschreibung und Fragen an die Nominierten, 16. September 2026. Tier 2.
- Reverion: Mitteilungen vom 28. Dezember 2023 (SPRIND), 13. September 2024 (Series A), 5. März 2025 (Innovationsfonds), 5. März 2026 (CFO), 29. Mai 2026 (Wirkungsgrad, Standortsuche). Tier 2.
- deutsche-startups.de: Interview mit Felix Fischer, 11. August 2026 (attribuiert). Tier 4.