Reportage · Entscheidungen

Die Entscheidung: Warum die drei Solago-Gründer ohne Investoren gewachsen sind

Solago startete 2022 mit einem Ladenlokal für Balkonkraftwerke in Hilden. Heute nennt das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeitende und ist nach eigenen Angaben zu 100 Prozent inhabergeführt. Die Entscheidung gegen Wagniskapital, Schritt für Schritt.

Von Florian Wessendorf3 Min. Lesezeit

Die Entscheidung: Warum die drei Solago-Gründer ohne Investoren gewachsen sind
Symbolbild: Founders World (KI-generiert)

Wir wollten unsere Entscheidungen selbst treffen und dadurch auch Speed aufbauen und dynamisch auf Veränderungen reagieren können.

Janik Nolden, Mitgründer und Geschäftsführer, Solago · own_statement: Interview deutsche-startups.de, 31.08.2026, https://www.deutsche-startups.de/2026/08/31/wir-wollten-unsere-entscheidungen-selbst-treffen/

Drei Gründer, ein Ladenlokal in Hilden und keine Investoren: So beginnt die Unternehmenschronik von Solago im Jahr 2022. Janik Nolden, Julian Dienst und Kevin Malek verkauften dort Mini-Solaranlagen, die man an den Balkon hängt. Vier Jahre später nennt das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeitende und über eine Million verkaufte Solarmodule im Jahr, geführt aus einem Logistikzentrum in Düsseldorf. Auf der eigenen Website steht dazu der Satz, der die Entscheidung dieser Reportage zusammenfasst: Solago sei weiterhin vollständig in der Hand der Inhaber.

Ausgangslage

Nolden hatte vor Solago schon einmal gegründet, das Startup heydrate. Daraus habe er mitgenommen, dass es in der Startup-Kultur üblich sei, Verluste zu machen und regelmäßig neue Finanzierungsrunden zu brauchen, sagte er im Interview mit deutsche-startups.de vom 31. August 2026. Er zog daraus den Schluss, dass so kein nachhaltiges Unternehmen entstehe.

Der Markt, in den Solago 2022 ging, verlangte Ware auf Lager. Balkonkraftwerke und später Komponenten für Aufdach-Anlagen muss ein Händler einkaufen, bevor er sie verkaufen kann. Laut Chronik hatte das Unternehmen 2023 die erste eigene Lagerhalle mit 1.700 Quadratmetern und baute die Logistik selbst auf.

Optionen

Aus Sicht der Redaktion lagen zwei Wege auf dem Tisch. Der erste war der, den Nolden aus seiner vorherigen Gründung beschreibt: Wagniskapital aufnehmen, um Lager, Personal und Marketing vorzufinanzieren und schneller zu wachsen, als der eigene Umsatz es erlaubt. Für einen Händler mit Lagerbestand ist das kein abwegiger Gedanke, denn Kapital würde genau die Engstelle entlasten, die ein wachsender Bestand erzeugt.

Der zweite Weg: aus dem Umsatz wachsen, jede Halle und jede Einstellung aus dem laufenden Geschäft bezahlen und dafür die Anteile behalten. Was diese Option kostete, steht in der Chronik. Beim Umzug an den zweiten Standort renovierten das Gründerteam und die ersten Mitarbeitenden die Halle selbst, strichen Wände und bauten Regale auf, während der Versand weiterlief. Kevin Malek erinnert sich auf der Unternehmensseite daran, dass sich das Gründerteam um vier Uhr morgens in der Halle traf, um Pakete zu packen.

Entscheidung

Die drei wählten die zweite Option. Nolden begründete das im Interview so: „Wir wollten unsere Entscheidungen selbst treffen und dadurch auch Speed aufbauen und dynamisch auf Veränderungen reagieren können.“ Außerdem sei es den dreien wichtig gewesen, das Unternehmen für sich selbst aufzubauen.

Zur Entscheidung gehört eine Regel, die er im selben Gespräch nennt: Was nicht profitabel laufe, müsse man konsequent beenden. Eine Grenze der eigenen Entscheidung benennt er ebenfalls. Qualifizierte Leute einzustellen und Strukturen aufzubauen, „haben wir rückblickend an manchen Stellen zu spät gemacht“.

Zahlen danach

Für 2024 meldet Solago einen versiebenfachten Umsatz, mehr als 100 Mitarbeitende und rund 7.000 Aufträge im Monat. 2025 zog das Unternehmen in ein Logistikzentrum in Düsseldorf; die Unternehmensseite nennt 25.000 Quadratmeter, die Presseseite 22.000. Heute nennt Solago mehr als 300 Mitarbeitende und über 100.000 Kunden.

Umsatzzahlen gibt es nur als Nennungen der Beteiligten. Die Presseseite spricht von einem Jahresumsatz von rund einer Viertelmilliarde Euro. Die Beschreibung der OMR-Podcastfolge 918 mit Nolden vom Juni 2026 nennt rund 450 Millionen Euro Umsatz als Ziel für dieses Jahr, im Interview mit deutsche-startups.de war von rund 500 Millionen Euro als Ziel für 2026 die Rede. Einen geprüften Jahresabschluss haben wir nicht ausgewertet.

Was das für Gründer heißt

Aus Sicht der Redaktion hat die Entscheidung gegen Investoren bei Solago getragen, weil der Umsatz früh reichte, um Lager und Personal zu bezahlen. Dazu kam eine Nachfrage nach Balkonkraftwerken, die das Unternehmen selbst als explodierend beschreibt. Den Preis nennt Nolden selbst: Strukturen kamen an manchen Stellen zu spät. Ob derselbe Weg in einem Geschäft mit längerer Entwicklungszeit vor dem ersten Umsatz funktioniert hätte, lässt sich aus diesem Fall nicht ablesen.

Quellen

  • solago: Über uns, Presseseite, abgerufen am 23. September 2026; Blogbeitrag zum OMR Podcast, 14. Juli 2026. Tier 2.
  • deutsche-startups.de: Interview mit Janik Nolden, 31. August 2026 (attribuiert). Tier 4.
  • OMR Podcast, Folge 918, Episodenbeschreibung (attribuiert). Tier 4.

Dieser Beitrag ersetzt keine Finanzierungsberatung.